Ja, Parfums können Mikroplastik enthalten – vor allem durch eine Technik, bei der Duftstoffe in einer Polymer-Schicht eingekapselt werden. Die größten Bedenken sind dabei vor allem ökologischer Natur, nicht direkt mit der Gesundheit verbunden. Außerdem gibt es aktuell EU-Vorschriften mit einer Übergangsfrist genau für diese Anwendung. Sicherheitsbehörden sehen bei den meisten derzeitigen Anwendungen nur ein geringes direktes Risiko für Nutzer, während die Umweltauswirkung die größte Sorge bleibt.
Kurz zusammengefasst:
- Für die Geruchseinkapselung gilt innerhalb der EU eine Übergangsfrist bis zum 17. Oktober 2029; Parfums, die diese Technik derzeit verwenden, verstoßen daher nicht automatisch gegen die Regeln.
- Ein Name wie Polyethylen oder Polyquaternium auf der Zutatenliste beweist für sich allein noch nichts, denn Löslichkeit und Teilchengröße bestimmen mit darüber, ob es sich um Mikroplastik handelt.
- Nutze Scanner-Apps zur ersten Kontrolle – sie verwenden manchmal eine weiter gefasste Definition als die EU, während Herstellerinformationen und unabhängige Testdaten verlässlicher sind.
- Bei Parfum in Sprühform ist die Teilchengröße besonders zu beachten, weil sehr feiner Nebel theoretisch eingeatmet werden kann; standardisierte Testmethoden fehlen größtenteils.
- Achte beim Kauf zusätzlich darauf, welches Parfum auf der Haut bleibt, und frage den Hersteller, welche Polymere die Formel enthält.
Inhaltsverzeichnis
- Was sind Mikroplastik und warum nutzt die Parfumindustrie es?
- Gesundheits- und Umwelt-Risiken: Was sagen Wissenschaft und Aufsichtsbehörden?
- Wie erkennst du Mikroplastik auf der Zutatenliste deines Parfums?
- Was regelt die EU ganz genau über Mikroplastik in Parfum?
- Checkliste: Mikroplastik vermeiden beim Kauf von Parfum
- Was ich als Autor an dieser Diskussion wichtig finde
- Vegan und tierfreundlich: unser Blick auf verantwortungsbewusstes Parfum
- Häufig gestellte Fragen
- Quellen
Was sind Mikroplastik und warum nutzt die Parfumindustrie es?
Mikroplastik sind kleine Kunststoffpartikel, die in zwei Kategorien fallen. Primäres Mikroplastik wird gezielt so klein produziert, dass es in einem Produkt verwendet werden kann, während sekundäres Mikroplastik entsteht, wenn größerer Kunststoff – etwa Verpackungen – zu kleineren Teilchen zerfällt. Eine aktuelle Peer-Review-Übersicht beschreibt, dass Mikroplastik in Kosmetika sowohl als primäre Zutat als auch über diesen sekundären Weg entstehen kann, und dass die Regulierung je nach Land stark unterschiedlich ist.

In Parfums und Kosmetika erfüllen synthetische Polymere unterschiedliche technische Funktionen. Sie sorgen für die Textur und ein angenehmes Hautgefühl, steuern die Viskosität einer Formulierung und bilden manchmal eine dünne Schicht auf der Haut, die den Duft länger hält. Bei der Duft-Einkapselung, einer häufig verwendeten Technik, wird ein Duftstoff in einer mikroskopischen Kunststoffkugel verpackt, die sich erst später öffnet – und so ein länger anhaltendes Dufterlebnis ermöglicht. Polymere wie Polyethylen, Polyacrylate und Polyurethane kommen in solchen Formulierungen am häufigsten vor, ohne dass Verbraucher das direkt am Duft selbst merken.
Gesundheits- und Umwelt-Risiken: Was sagen Wissenschaft und Aufsichtsbehörden?
Die meisten Sicherheitsbewertungen unterscheiden klar zwischen dem Risiko für den Nutzer und dem Risiko für die Umwelt. Laut der Nederlandse Cosmetica Vereniging zeigen Bewertungen zur menschlichen Sicherheit, dass Mikroplastik – so wie es derzeit in Kosmetika zugelassen ist – für Verbraucher kein akutes Risiko darstellt. Die Bedenken der Aufsichtsbehörden richten sich vor allem darauf, was mit diesen Teilchen passiert, nachdem sie über Abwasser oder Verdunstung in die Umwelt gelangen.
Eine Review-Studie aus 2025 behandelt sowohl mögliche Auswirkungen auf die Haut als auch ökologische Schäden von Mikroplastik in Kosmetika und betont, dass standardisierte Testmethoden bislang weitgehend fehlen. Das Fehlen einheitlicher Messmethoden macht es schwierig, verschiedene Studien direkt miteinander zu vergleichen.
Für Sprühanwendungen, relevant für Parfum, fordern Sicherheitsrichtlinien der SCCS speziell eine genauere Betrachtung der Teilchengröße, weil sehr feine Aerosole theoretisch eingeatmet werden können. Der wissenschaftliche Konsens ist vorsichtig: Für die meisten derzeitigen Anwendungen scheint das direkte Gesundheitsrisiko begrenzt zu sein, aber Forschende fordern weitere Beobachtung und bessere Analysetechniken, bevor endgültige Schlussfolgerungen möglich sind.

Wie erkennst du Mikroplastik auf der Zutatenliste deines Parfums?
Die Zutatenliste, auch INCI genannt, gibt bei Weitem nicht immer eindeutige Auskunft. Ein Stoff, der in einem Produkt Mikroplastik ist, kann in einer anderen Form oder Konzentration als unbedenklich gelten: Physikalische Eigenschaften wie Löslichkeit und Teilchengröße spielen dabei mit – nicht nur der Name auf dem Etikett. Die niederländische Cosmetica-Vereinigung weist darauf hin, dass ein Polymername allein also keinen Beweis dafür liefert, dass ein Produkt tatsächlich Mikroplastik enthält.
Trotzdem gibt es Anhaltspunkte, die helfen. Achte auf INCI-Namen, die mit „poly“ beginnen, wie Polyethylen oder Polyquaternium, und auf Begriffe wie acrylates copolymer oder polyurethane. Diese deuten oft, aber nicht immer, auf ein synthetisches Polymer hin, das eine funktionale Rolle spielt, etwa bei der Filmbildung oder Fixierung.
Ein praktischer Ansatz sieht so aus:
- Prüfe den Produkttyp: Leave-on-Produkte wie Parfum, die auf der Haut bleiben, sind ein relevanterer Punkt als Rinse-off-Produkte, die du direkt abspülst.
- Scanne die Zutatenliste nach Begriffen wie poly-, acrylate- und polyurethane-ähnliche Bezeichnungen.
- Suche auf der Website oder der Verpackung des Herstellers nach zusätzlichen Erklärungen zu den verwendeten Polymeren.
- Nutze eine zuverlässige Scanner-App als zusätzliche Kontrolle, nicht als einzige Quelle der Wahrheit.
Pro-Tipp: Bewahre ein Foto der Zutatenliste auf, bevor du eine Flasche wegwirfst, damit du bei Unsicherheit später noch nachsehen kannst, welche Stoffe darin waren.
Scanner-Apps und NGO-Tools wie die der Plastic Soup Foundation sind als Startpunkt sinnvoll, verwenden jedoch manchmal eine breitere Definition für Polymere als die offizielle EU-Regulierung. Deshalb bleiben unabhängige Testdaten und Herstellerinformationen die verlässlichsten Quellen.
Was regelt die EU ganz genau über Mikroplastik in Parfum?
Seit dem 17. Oktober 2023 schränkt die Verordnung (EU) 2023/2055 den Verkauf von Produkten mit zugesetzten synthetischen Mikro-Polymerpartikeln ein – als Teil der REACH-Regelungen. Die Verordnung gilt für eine breite Reihe von Produktkategorien, von Kosmetika bis zu Reinigungsmitteln, und legt fest, welche Polymere als Mikroplastik zählen.
Für die Duft-Einkapselung in Parfums gilt eine spezielle Übergangsfrist von sechs Jahren bis zum 17. Oktober 2029. Diese längere Frist wurde eingeführt, weil technische Alternativen für diese Anwendung damals noch nicht überall verfügbar waren, als die Regel in Kraft trat. In der Praxis bedeutet das, dass manche Parfums bis zu diesem Datum weiterhin synthetische Polymere für die Duft-Einkapselung verwenden dürfen, während andere Anwendungen bereits früher strengeren Anforderungen genügen müssen.
Für dich als Verbraucher bedeutet das vor allem: Transparenz des Herstellers bleibt wertvoll. Ein Parfum, das heute noch Einkapselungstechnologie verwendet, verstößt zwar nicht gegen Regeln – aber es lohnt sich, Produktinformationen zu prüfen, wenn du dies bewusst vermeiden möchtest.
Checkliste: Mikroplastik vermeiden beim Kauf von Parfum
Ein paar gezielte Schritte helfen dir, bewusster zu wählen, ohne alle technischen Details kennen zu müssen.
- Prüfe, ob der Hersteller ausdrücklich angibt, keine synthetischen Mikroplastikstoffe in der Formel zu verwenden.
- Achte bei Leave-on-Produkten besonders genau darauf, da sie länger auf der Haut und in der Umwelt verbleiben.
- Sei kritisch bei vagen Nachhaltigkeitsbehauptungen und suche nach konkreten, überprüfbaren Erklärungen zu den verwendeten Rohstoffen.
- Frag bei Zweifel direkt beim Hersteller, welche Polymere in der Formel enthalten sind und ob sie unter die REACH-Einschränkung fallen.
Biobasierte und biologisch abbaubare Alternativen zu synthetischen Polymeren gewinnen zwar an Bedeutung, aber ihr tatsächlicher Umweltvorteil hängt vom vollständigen Lebenszyklus des Inhaltsstoffs ab – nicht nur von seiner Herkunft. Eine ehrliche Antwort eines Herstellers darauf, was in einer Formel enthalten ist und was nicht, sagt oft mehr als ein Zertifikat allein.
Was ich als Autor an dieser Diskussion wichtig finde
Die Diskussion über Mikroplastik in Parfum verdient mehr Differenzierung, als sie oft bekommt. Die Unterscheidung zwischen einem akuten Gesundheitsrisiko und einem realen Umweltproblem wird in der Verbraucherkommunikation regelmäßig vermischt, obwohl genau diese Unterscheidung bestimmt, welche Frage du als Käufer eigentlich stellst. Wir finden es wichtig, dass Marken in diesem Bereich klar über Inhaltsstoffe informieren, damit du selbst abwägen kannst, was für dich schwerer wiegt: Duft-Erlebnis, Preis oder Umweltwirkung. Mehr Hintergrund zu bestimmten Inhaltsstoffen findest du in unseren Artikeln zu Phthalaten in Parfum und Allergenen in Parfum.
— J
Vegan und tierfreundlich: unser Blick auf verantwortungsbewusstes Parfum
Wir stellen unsere Parfums vollständig vegan und tierfreundlich her – ohne tierische Rohstoffe oder Tierversuche. Wir sparen bei teurer Vermarktung und luxuriöser Verpackung, damit wir unseren Kunden ein erschwingliches Dufterlebnis bieten können. Du möchtest wissen, wie das in der Praxis funktioniert? Lies auch unseren Blog über nachhaltige Duftauswahl.

| Was du auswählst | Was du bekommst |
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Häufig gestellte Fragen
Welche Kosmetikmarken sind mikroplastikfrei?
Es gibt keine offizielle, vollständige Liste an Marken, die vollständig mikroplastikfrei sind, weil Definitionen und Formulierungen je nach Produkt unterschiedlich sind. Eine verlässliche Aussage erkennst du am besten an einer expliziten, konkreten Erklärung des Herstellers zu den verwendeten Polymeren – eher als an einer allgemeinen Nachhaltigkeitsbehauptung.
Wie weiß ich, ob sich Mikroplastik in einem Produkt befindet?
Prüfe die Zutatenliste nach Namen, die mit „poly“ beginnen, wie Polyethylen oder Polyurethan – auch wenn das keine absolute Sicherheit bietet, da physikalische Eigenschaften mit hineinspielen. Laut der niederländischen Cosmetica-Vereinigung sind für eine endgültige Antwort häufig zusätzliche Informationen des Herstellers nötig.
Was ist der größte Verursacher von Mikroplastik in Kosmetika?
Beitragen zu dem Problem sowohl gezielt zugesetzte Polymere – das primäre Mikroplastik – als auch abbauende Verpackungsmaterialien – die sekundäre Quelle. Ein Peer-Review-Übersichtsartikel beschreibt beide Wege als relevant, wobei die Verpackung als häufig unterschätzte Quelle gilt.
In welchen Produkten sind häufig Mikroplastik enthalten?
Mikroplastik findet sich in verschiedensten Kosmetika – von Peelings und Duschgels bis hin zu bestimmten Parfums, die auf Duft-Einkapselung setzen. Leave-on-Produkte, die auf der Haut bleiben, erfordern dabei mehr Aufmerksamkeit als Rinse-off-Produkte, die du direkt abspülst.
Muss ich mir wegen Mikroplastik in meinem Parfum Sorgen machen?
Für die meisten derzeitigen Anwendungen sehen Sicherheitsbehörden nur wenige direkte Gesundheitsrisiken für Nutzer, während die Umweltauswirkung die größte Sorge bleibt laut den verfügbaren Forschungen. Die EU-Verordnung 2023/2055 geht das schrittweise an – mit einer Übergangsfrist bis 2029 speziell für die Duft-Einkapselung.
Quellen
- Verordnung (EU) 2023/2055
- Niederländische Cosmetica-Vereinigung :: Mikroplastik in Kosmetika
- Microplastics in Cosmetics: Emerging Risks for Skin Health and the Environment
- Mikroplastik in Kosmetika: Offene Fragen und nachhaltige …